Ein  aus Betzdorf
 

Wie kam ich zum Drachenfliegen?

 

Als gebürtiger Sassenrother bin ich Mitte der 80ger Jahre mit meinen Kindern an den Wochenenden oft in Sassenroth spazieren gegangen. Dabei habe ich einem Drachenflieger beim Hangfliegen am Jungfrauenwald zugeschaut. Bei einem Urlaub in Kärnten sah ich Drachenflieger am Goldeck und Tschirnock. Das hat mich fasziniert und mir keine Ruhe gelassen. Magnetisch hat mich dieser Sport angezogen und ich habe nachts davon geträumt. Man kann sagen, der Flugvirus war auf mich übergesprungen.

Wie das Leben so spielt, lernte ich durch meine Arbeit einen Drachenfluglehrer kennen. Wir verabredeten uns mit anderen zu einem Schnupperkurs an der Mosel. Dabei hat der Flugvirus endgültig von mir Besitz genommen und ich hatte mich zur Flugausbildung für Luftsportgeräte in der Flugschule angemeldet. Zur sicheren Ausübung des Luftsports muss man natürlich einen Luftfahrerschein für Luftsportgeräte machen. Vergleichbar mit einem Führerschein. Es gibt mehrere Ausbildungsstufen.

-         Lernausweis

-         beschränkten Luftfahrerschein und

-         unbeschränkten Luftfahrerschein für Luftsportgeräte. Dieser berechtigt auch für Überlandflüge.

So habe ich über die Jahre die Ausbildungsstufen absolviert. Als Familienvater muss man das natürlich familienverträglich gestalten.

Nach anfänglichen kurzen Flügen in der Heimat sind wir im Sommer in die Alpen gefahren. Natürlich mit dem Drachen auf dem Autodach. Es gibt nichts schöneres, als mit dem Drachen vogelgleich über schneebedeckten Berggipfeln zu fliegen. Man vergisst alle Alltagssorgen und hört nur das Rauschen des Windes. Man ist unter voller Konzentration, wenn man in der Thermik aufsteigt oder kann ganz entspannt seine Höhe abfliegen und dabei die Landschaft genießen mit der Nase im Wind. Selbst in 500 bis 600 m Höhe kann man die Düfte einer Heuwiese aufnehmen.
Am schönsten ist das Fliegen gemeinsam im gleichen „Bart“ (in der Fliegersprache aufsteigende Thermik) mit Bussarden oder Milanen. Dabei kann man deutlich spüren wie die Vögel ohne jede Angst neugierig die Nähe zu Drachen- und Gleitschirmfliegern suchen. Dabei demonstrieren sie uns ihre Überlegenheit. Selbst in stark beflogenen Fluggebieten an Mosel und Saar brüten die Wanderfalken ohne jede Angst vor den Fliegern. Naturschutz und Luftsport sind keine Gegensätze.

Seit 2006 bewege ich mich auch mit dem Gleitschirm in der Luft. Die Ausbildung ist deutlich einfacher und die Erfolgserlebnisse werden schneller erreicht. In einem gemütlichen Gurtzeug, sitzend wie im Wohnzimmersessel, fliegt man dabei durch die Luft. Trotzdem fliegt meine Fliegerseele immer noch mit dem Drachen. Und in den Urlaub nehme ich natürlich meinen Drachen mit.

Dem Vogelflug am Nächsten kommt nun mal der Flug mit einem Drachen, in liegender Flugposition mit der Nase im Wind.